Verschuldung: VSD und SDQ

Die Verschuldung ist eine Dimension des KDZ-Quicktests. Die beiden Kennzahlen zur Verschuldung sind die Verschuldungsdauer – VSD und die Schuldendienstquote – SDQ.

Verschuldungsdauer – VSD

Die Kennzahl VSD zeigt, wie lange auf Basis des durchschnittlichen Saldos der laufenden Gebarung die Rückzahlung der bestehenden schuldähnlichen Verpflichtungen dauert, ohne neue Investitionen zu tätigen. Es wird demnach angenommen, dass die gesamten Überschüsse der laufenden Gebarung zur Schuldentilgung verwendet werden. Die VSD zeigt an, wie viele Jahre unter diesen Umständen für die vollständige Tilgung aller Schulden und schuldähnlichen Verpflichtungen gebraucht würden und wird wie folgt berechnet:


 
 Schuldenstand lt. Schuldenverzeichnis + offene Leasingverpflichtungen + Haftungen*
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 Saldo 1 [KZ 91] + Leasingraten + Gesellschafterzuschüsse**


*  Haftungen, die von der Gemeinde (voraussichtlich) zu tragen sind (z.B. Haftungen für Immobilien-KG, denen jährliche Gesellschafterzuschüsse gegenüberstehen).
** Gesellschafterzuschüsse für ausgegliederte Gesellschaften, insbesondere für Immobilien-KG bzw. -GmbH, für die Haftungen von der Gemeinde übernommen wurden und      die in der laufenden Gebarung verbucht werden.

 

Die VSD ist ein zentraler Indikator für das Ausmaß der Verschuldung. Werte unter 3 Jahren sind ausgezeichnet, über 25 Jahre schlecht. Zusätzlich ist es positiv zu bewerten, wenn sich die Verschuldungsdauer kontinuierlich verringert bzw. negativ, wenn sie stetig steigt.

Weiters muss darauf hingewiesen werden, dass es keine negative Verschuldungsdauer geben kann. Bei einem negativen Saldo 1 können die Finanzschulden de facto nicht zurückgezahlt werden. Eine negative Verschuldungsdauer ist daher nicht darstellbar. Wenn keine Mittel zur Schuldentilgung verfügbar sind, ist die Verschuldungsdauer quasi unendlich. Ferner ist zu berücksichtigen, dass es sich bei dieser Kennzahl empfiehlt, auch alle schuldähnlichen Verpflichtungen einer Gemeinde in die Berechnung miteinzubeziehen. Zum
Kreditschuldenstand und den offenen Leasingverpflichtungen sind dabei zum Beispiel auch Haftungen oder Schulden ausgelagerter Gesellschaften zu addieren, die sich im vollständigen Gemeindeeigentum befinden. Dadurch wird das Bewusstsein geschaffen, dass die Gemeinde auch finanzielle Verantwortung für Gesellschaften übernimmt, die ansonsten nicht unmittelbar im Gemeindehaushalt aufscheinen. Aus Gründen der Vollständigkeit ist dann, wenn die offenen Leasingverpflichtungen zum Schuldenstand addiert werden, der Saldo 1 um die Leasingraten zu erhöhen, weil diese im weitesten Sinn der Schuldenreduktion dienen. Die VSD ist vom Saldo 1 abhängig. Weist dieser Schwankungen auf, so schwankt auch die VSD – selbst bei einem konstanten Schuldenstand. Umso geringer der Saldo 1 ist, desto höher ist die VSD.

Hinweis: Auf offenerhaushalt.at werden für die Berechnung der Verschuldungsdauer nur der Gesamtschuldenstand, die gesamten Haftungen und der Saldo 1 herangezogen. Zahlen zu den Leasingverpflichtungen, Leasingraten und Gesellschafterzuschüssen können leider nicht eindeutig aus den zugrundeliegenden offiziellen Daten der Statistik Austria herausgelesen werden. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden, falls einmal zur Berechnung die Daten der Statistik Austria und ein anderes mal die GHD-Daten der Gemeinden verwendet werden, wird diese Berechnung in allen Jahren beibehalten.

Schuldendienstquote – SDQ

Die Schuldendienstquote zeigt, welcher Teil der Abgaben (= Einnahmen aus eigenen Steuern, Ertragsanteilen und Gebühren) für den Schuldendienst aufzuwenden ist.


 
 Gesamtschuldendienst [KZ 25, fortdauernde ordentliche Tilgungen (ordentliche Ausgaben der KZ 64 und 65)]
 + Leasingraten + Gesellschafterzuschüsse* - Annuitäten- und Zinszuschüsse (Ersätze) lt. Schuldendienstnachweis
 ———————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————————  x 100
 Öffentliche Abgaben [KZ 10, 11, 12]

* Gesellschafterzuschüsse für ausgegliederte Gesellschaften, insbesondere für Immobilien-KG bzw. -GmbH, für die Haftungen von der Gemeinde übernommen wurden und      die in der laufenden Gebarung verbucht werden.
 
Öffentliche Abgaben sind Einnahmen, für die keine unmittelbare Gegenleistung erbracht werden muss. Die Schuldendienstquote zeigt, wie groß der Anteil dieser Einnahmen ist, der für den Schuldendienst verwendet werden muss. Unter Schuldendienst sind sowohl Zinszahlungen als auch ordentliche Tilgungen zu verstehen. Im weiteren Sinn kann man auch Leasingraten zum Schuldendienst zählen. Werden Haftungen für Gesellschaften übernommen, so sind auch Mietzahlungen (etwa bei Immobilien-Gesellschaften) oder sonstige Zuschüsse an diese Gesellschaften indirekt als Schuldendienst anzusehen. Schließlich sind für die Berechnung noch so genannte Ersätze zu berücksichtigen (abzuziehen), da beispielsweise die Länder im Einzelfall einen Teil des Schuldendienstes einer Gemeinde in Form von Ersätzen rückerstatten.
 
Je geringer die Schuldendienstquote ist, desto größer ist der finanzielle Spielraum einer Gemeinde und desto besser ist diese Kennzahl zu bewerten. Werte unter 10 Prozent sind positiv, Werte über 25 Prozent negativ. Es ist empfehlenswert den Schuldendienst inkl. laufender Leasingverpflichtungen, Mietzahlungen, Tilgungs- und Gesellschafterzuschüssen an Gesellschaften für die Haftungen bestehen zur Berechnung der Kennzahl heran zu ziehen.
 
Hinweis: Auf offenerhaushalt.at werden für die Berechnung der Schuldendienstquote nur der Gesamtschuldendienst und die Öffentlichen Abgaben herangezogen. Zahlen zu den Leasingraten, Gesellschafterzuschüssen und Ersätzen können leider nicht eindeutig aus den zugrundeliegenden offiziellen Daten der Statistik Austria herausgelesen werden. Um Brüche in den Zeitreihen zu vermeiden, falls einmal zur Berechnung die Daten der Statistik Austria und ein anderes mal die GHD-Daten der Gemeinden verwendet werden, wird diese Berechnung in allen Jahren beibehalten.